Der Wein tat gut. Silvaner aus dem Supermarkt für 2,99. Hat immer zu mir gehalten, so auch an diesem Abend, wenn auch als Einziger. Unten voller, ich oben auch. Meine Musik musste lauter werden. Im Gegensatz zu meiner Musik war die von unten allerdings konzeptionell in der Lage andere akustische Eindrücke zu übertönen. Türen knallen, Schritte stampfen, Musik laut – und dann die Stimmen, und ich konnte ihre Besitzer erkennen. Als Ablenkung half ein wenig: The American. Zu spät sollte ich merken, dass Identitätsverlust, Angst und Einsamkeit in diesem Film hierarchisch noch vor heroischem Töten mit Projektionsfläche für meine kühnsten Träume angeordnet waren. Bis zur 60sten von 90 Minuten hielt ich es aus. In der Rechnung des Weins: die Hälfte.
Die Maske saß. Mütze, Kippe, Lederjacke, Wein und das Longboard. Würde ich nicht im 2. Stock wohnen, wäre ich gesprungen. So musste ich durchs Treppenhaus. Das gleiche, das vom feiernden Pöbel und Abschaum zum Rauchen und Bier verschütten genutzt wurde. „Ey, soll ich dir mal ein paar Tricks auf dem Ding zeigen?“ Er meinte das Longboard. „Floyd, du auch hier?!“ Sie meinte mich. Ich war schon an ihnen vorbei. Bin an meinen Freunden auch vorbei, nur „Hey“. Ich stand schon unten auf der Straße als ich meinen Puls in Form und Gefühl einer Büffelherde zum ersten Mal seit Schließen der Wohnungstür wieder spürte. Die Frage nach den Longboard-Tricks hätte ich gerne mit Karate-Tricks beantwortet.
Oben an der Wertherstraße mit Wein, Fluppe und Herrn Frahm dann die Reflexion: „Ich bin der, der die Leute anspricht und nett ist. Ich kann nicht verstehen, wenn Leute nicht antworten. Ich bin doch nett und höflich. Aber grade eben konnte ich das nicht.“ Er verstand mich und antwortete: „Jeder hat das Mal. Das ist ok – ich verstehe dich.“ Diese Worte waren Erleichterung meiner Selbst, ich fiel. Ich konnte die Augen schließen und für einen kurzen Moment war alles gut. „Trinke noch einen Schluck, lasse die Flasche hier bei mir und fahre erst einmal eine Abfahrt, danach ist es besser, Floyd!“ Said and done.
Ein Traum. Was für ein Lied. Ein Flug. In der Nacht und leise. Rollen, Brett und ich schloß die Augen. Ein Lächeln auf den Lippen. Blood von The Middle East im Ohr und Thees‘ Worte im Kopf: „Wäre das hier alles, es würde mir genügen“. Was für eine Abfahrt. Das letze Auto sah ich bevor ich losrollte, das erste nachdem ich abstieg. Ich machte mir keinen Kopf. Was für ein Moment. Ich bedankte mich. Epiphanie.
Der Weg nach oben sollte schlimmer werden als der Weg nach unten. Wie als Kind beim Zahnarzt: Dieser Geruch und die Geräusche, aber es führt ja doch kein Weg daran vorbei. Ich war nicht lange weg. Im Treppenhaus standen nun schon mehr Leute und Freunde. „Wie geht‘s dir?“ „Geht so, nicht so gut!“ „Das glaub ich, Mann, das glaub ich!“ Die beste, mir gestellte Frage ehrlicher Natur seit zu langer Zeit und ein kurzes, aber ergiebiges Gespräch – Danke Frank. Die Haare zerzaust, betrunken und lächelnd. „Alles gut?“ „Ja.“ Na dann ist doch alles super! Ich ging weiter. Was sich seit meiner Abwesenheit nicht verändert hatte, war der Typ auf der Treppe. „Ey, wo kommst du eigentlich her?“ Später sollte mir alles einfallen, aber da nur ein „von oben“. Was für ein Horst im Stapenhorst.
Oben hab ich geweint wie ein Kind, geschluchzt mit Wein. Ich hoffe, das passiert nie wieder. Diesen Abend wünsche ich meinem Feind. Und Horst.
Wirkt auf mich nach Tagebucheintrag.. Eher Frust der durch die Feder den Geist verlässt. Das dies öffentlich geschieht zeugt von großer Verzweifelung. Der Beitrag hat nichts mit Prosa zu tun und ist auch literarisch sowie künstlerisch nicht wertvoll und findet sich ähnlich 1000 fach in Sellbsthilfeforen. Dass der Sinn sich nur für den Autor ergibt bestätigt meine Meinung. Das weitere Ziel des Autors bleibt ebenfalls ungewiss. Warum diese Abscheu und der Tötungswunsch.
Aber: besser ein Tagebucheintrag als ein Amoklauf.
Die anderen Beiträge sind durchaus lesbar.