Das Gespräch

26 05 2010

Stell dich da in die Ecke, direkt hinter die Tür, dann kannst du schnell wieder raus, wenn was ist. Du hast niemanden im Rücken, das ist gut. Du kannst alle sehen. Schau auf den Boden, schau niemanden an, aber so, dass du alles mitbekommst, was um dich herum passiert, wirklich alles. Links, und wieder rechts. Nichts. Gut. Warte. Bültmannshof.

Ich mache mich klein, senke den Kopf, schaue auf den Boden, halte die Füße zusammen und meine Tasche fest. Ich habe die Ärmel hochgekrämpelt, damit ich jede Berührung spüre. Nur kurz schaue ich nach oben, vielleicht ist was. Die Bahn rüttelt alle so durch, die Köpfe wackeln dann immer, wie Zweige am Baum. Nett sehen die Menschen aus, aber viele reden gar nicht, vielleicht keine Lust, oder müde, oder beides. Ich möchte auch reden. Links, und wieder rechts. Nichts. Gut. Ich Warte. Graf-von-Stauffenberg-Straße.

Schau wieder nach unten, los, mach dich klein und den Leuten Platz, dann ist es gut. Lächle einfach, wenn was ist, wenn sich wer bedankt. Aber dann schau wieder nach unten. Du hast nur noch zwei Stationen, dann ist es wieder vorbei. Dann kannst du gehen, raus hier, weg. Bring deinen Puls wieder runter, du weißt, wie das geht. Ein und aus, Pause. Atme das Dreieck. Gut. Niemand interessiert sich für dich, alle sind mit sich selbst beschäftigt, das ist auch gut so, dann kommt keiner, und nichts ist. Mach weiter. Links, und wieder rechts. Nichts. Gut. Warte nur weiter. Dr-Oetker-Halle.

Die Tür geht auf, Menschen steigen aus, Menschen steigen ein, Tür zu. Und der rote Knopf leuchtet, wie in der Monster AG. Lustig. Und wieder dunkel im Zimmer, und in der Bahn. Ich bin allein, und bin es doch nicht. Oder bin ich nicht allein, und bin es doch. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht was mehr da ist. Das ist traurig, dass ich das nicht weiß. Wenn mich wer verstehen würde. Meine Sprache sprechen nur die meinen, und die die ich kenne. Blöd. Links, und wieder rechts. Der da. Scheiße.

Schau ihn nicht an. Er geht aber auf mich zu. Dreh dich um. Ich dreh mich weg, aber der ist immer noch da. Der geht gleich wieder. Nein, er ist immer noch da. Dreh dich weiter weg. Er berührt mich. Dreh dich weg. Ich kann nicht, er ist da. Dann gib ihm den Zettel. Na los, bevor andere es mitbekommen. Nicht schon wieder der Zettel. ich will nicht. Den Zettel!  Den Zettel.

Hallo!

Ich bin Elke Teuber.

Ich bin taub-stumm.

Schreiben sie mir bitte

etwas auf einen Zettel.

Danke

Dreh dich wieder weg. Links, und wieder rechts, hat es wer mitbekommen. Immer noch der da. Scheiße. Siegfriedplatz. Raus, weg! Ist ja gut – weg.


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