Das Geschrei dreier behinderter Kinder erfüllt den Raum. Der Fernseher schreit gegen die Glaswand, die ihn vor den täglichen Vandalismus-/Autismusattacken schützen soll, an. Der Bildschirm wirft hektisch gruselige Bilder über den Bildschirm. Ein Kind schreit, ein Monster erschrickt, drei behinderte Kinder lachen. Die MONSTER AG. Ein kurzer Blick bringt auch Floyd zum schmunzeln und ohne, dass er es bemerkt hat, sitzt er auch vor den Bildern. Er beobachtet das Treiben und ist fasziniert von der Negation des Angstcharakters: Nicht die Kinder erschrecken sich, sondern die Monster, die über aktivierte Türen (an den leuchtenden, roten Lichtern oberhalb zu erkennen) in die Schlafzimmer der Kinder zu gelangen, um aus deren Schreie Energie zu zapfen. Was für eine Idee. Großartig. Schnitt.
Nach einem behinderten Wochenende muss Floyd wieder in die Uni. Der Weg dorthin wie immer mit der Bahn. Dieses Reagenzglas der Sozial- und Psychologie- wissenschaftler. Ein Mythos. Alle Nutzer sind gezwungen ihre Distanzkreise zu brechen und verdammt nicht lauter als das Summen eines Kühlschrankes sprechen zu dürfen. Ähnlich wie im Fahrstuhl ist der Gedanke des Aussteigens näher als der des Fahrens selbst – die unbeachtete Last des Mittels zum Zweck. Floyd steht links. Die Bahn ist voll, alle Plätze sind besetzt. Es folgt der automatische Wechsel in den U-Bahn-Modus, den auch Floyd so gut trainiert hat: auf den Boden starren, Musik hören, ein Buch lesen oder einfach die Augen schließen – so wie jeder andere Nutzer auch. Floyd starrt apartisch, in sich versunken vor sich hin. “Nächster Halt: Rudolf-Oetker-Halle.” Über der Tür leuchtet eine rote Lampe. Schnitt.
Floyd merkt: die Welt, in der er lebt, ist komisch. Die U-Bahn ist eine MONSTER AG. Starrende Augen, egozentrische Autisten und ein Zugführer, der ständig sein Bein aufs Amaturenbrett legt, als hätte er alles andere als die Verantwortung über 200 Monsterleben. Wenn er sich zu den Monstern meldet, versteht Floyd meistens nichts. “Naja die Monster werden es schon vertehen!”, denkt er dann und versucht nicht aufzufallen. Innen versuchen alle die Möglichkeit eines Monsterkörperkontaktes kategorisch auszuschließen – eine Berührung wird nämlich mit einem fauchenden Murren bestraft. Die üblich schleimige Entschuldigung folgt sofort. Weiter nichts. Das Aussteigen nach draußen klappt nur dann, wenn gleichzeitig niemand einsteigen will. Denn nur purer Egoismus lässt das übliche Warten zur doppelten Konvergenz und damit zum Zusammenprall werden. Floyd hat sogar schon ein mal Monster einsteigen lassen, bevor er sich ehrfürchtig an den hässlichen Fratzen vorbeigeschoben hat. Er musste auch schon einmal warten, weil zu viele Monster noch immer nicht verstanden haben, dass der Gang seinen Ursprung im Gehen hat – und nicht im Stehen. Bisweilen war dieser, in den Monsterwelt offensichtlich als “Stang” bezeichnete, also zu oft besetzt. Von versprochener mobiel-ität seitens der Beförderungsmonster kann da nicht die Rede sein; und das Wort “Fahrgast” stammt aus einer Welt vor Floyds Zeit. Floyd hofft beständig weiter auf Besserung. Leider ist er selbst beim Hoffen allein, da die Monster zusätzlich das vortrefflich ausgebildet haben, was die Menschen Ignoranz nennen. Das ist so schade.
Neulich ist Floyd allerdings ein Mensch unter den ganzen schrecklichen Monstern begegnet. Als Floyd auf dem Weg nach Hause aus der Bahn steigen wollte, ließ ihm ein Mann den Vortritt: “Nach ihnen!”. Unfassbare Realität auch in einer Monsterwelt – aber es scheint sie noch zu geben. Mit ihrem edlen Schleier umhüllt sie ihre Begnadigten, attestiert Freundlichkeit und stößt mit ihrer Schönheit allseits auf gutmütige Augen: die alte Dame Höflichkeit.
Monster, Menschen & alte Damen…sie alle haben eines gemeinsam – sie sind NICHT autonom. So ist ihr Verhalten auch nicht ihnen sondern der sie umgebenden Umwelt anzukreiden. Doch wer entscheidet wer der Pauker ist, wer der Schüler – wer darf die Kreide schwingen?
Floyd weiß, dass Monster, Menschen & alte Damen – ob nun autonom oder nicht – eines gemein haben: Sie haben innerhalb ihrer sie umgebenden Umwelt stets die Wahl sich für einen Weg zu entscheiden! Diese Konvergenz eröffnet allen Monstern die Möglichkeit , im Gang zu stehen oder im Stang zu gehen. Im Gegensatz zum Hasen ist Floyd ein Igel. Deshalb bemängelt er nicht die Gesellschaft pauschal sondern nur jene, die es nicht schaffen sich im Sinne sozialen Handelns angemessen zu verhalten. “Lauf weiter, Hase!” und als der Hase oben ankam, rief ihm der Herr Igel entgegen: “Ich bin schon da!”.
Schön wenn Floyd sich einigelt und ebenfalls nur adaptives Verhalten an den Tag legt. Möglich, dass es in der Bahn von Floyds nur so wimmelt – alle im gleichen habituierten “Tugend-Katalog” blätternd. Sie frösteln innerlich, ob der gesellschaftlichen Kälte, doch statt abjektiv “besser” zu handeln sieht man sie nur “auf den Boden starren, Musik hören, ein Buch lesen oder einfach die Augen schließen” und erst in intiemer Atmosphäre ihren moralischen Zeigefinger heben.
So möchte man Floyd an die Hand geben sein Ich auch als ein freud’sches as Über-Ich zu begreifen, als die Umwelt anderer, welche Rollen, Werte und Seiten aus Tugend-Katalogen mitbegründet.
“Bevor ich dich besudel Puppe, ess’ ich erst ne Nudelsuppe!” Was ist da los Jungs? N Stock verschluckt?